Only with consumption

Gesehen habe ich diesen Hinweis vor einem Geschäft am Wiener Flughafen. Was ist hier los? Zuerst möchte ich dem zuständigen Ministerium zu den Raucherlokal/Nichtraucherlokal–Symbolen gratulieren, die kaum misslungener sein könnten. Ich meine, das Symbol für ein Rauchverbot gab’s ja schon und ist sicher ohne Verletzung eines Copyrights verwendbar*. Die Linien, mit denen das Zigarettensymbol durchstrichen ist, sind dünner als die Linien des Zigarettensymbols selbst, was ihren Kontrast zum Hintergrund bzw. zur Zigarette merklich reduziert. Ich gehe davon aus, dass Leute, die Rot und Grün nicht so gut unterscheiden können, mit diesem Design ihre Mühe haben werden. Die AIGA-Piktogramme, die schon lange etabliert sind, sind auch monochrom sehr deutlich voneinander zu unterscheiden: für Symbole, die etwas Gegensätzliches ausdrucken doch eine absolute Mindestvoraussetzung. Zu guter Letzt stehen wir hier in einer generellen Rauchverbotszone, womit nur der Hinweis auf den Raucherbereich eine Funktion hat; und die Inklusion beider Symbole erfüllt insofern die Kennzeichnungsverordnung (ja! alles nicht nur neu und schlecht erfunden, sonden auch noch bis ins Detail verordnet! In langwierigen und schwierigen Verhandlungen!) nicht, als der vorgeschriebene Hinweistext unter dem Rauchersymbol fehlt.

Kommen wir zum Sprachlichen — das in diesem Fall auch im Grafischen beginnt. Über dem Rauchersymbol haben wir die Silhouette einer Insel. Ich weiss nicht, wie gut diese Komposition funktioniert, aber zumindest hat man im Deutschen den Begriff »Raucherinsel«. Den hat man im Englischen aber nicht. Für mich hat das Symbol eine vage Assoziation mit Urlaub, aber sonst sagt sie dem englischsprachigen Teil meines Hirns nichts.

Dann kommt »Nur bei Konsumation / Only with Consumption«. Zunächst dürfte nicht einmal für alle deutschsprachige Menschen »Konsumation« ein gängiger Begriff sein. Wie steht es dann um das Englische »consumption«? Nicht gut. Es sagt leider gar nicht das, was man hier sagen will. Ja, »consumption« gibt es als wirtschaftlichen Begriff für Konsum und »consume« wird manchmal als Verb für essen oder trinken verwendet. Aber in diesem Sinne als Haupwort definitiv nicht, bzw. nur in sehr offiziösen oder technischen Kontexten. Und dank einer anderen Bedeutung des Worts steht die etwas schaurige Möglichkeit im Raum, dass das Rauchen hier nur für Personen mit Tuberkulose gestattet sei.

Wie für die meisten solche Kurzmitteilungen gibt es im Englischen konventionelle Ausdrücke. Traditionell wäre, wenn etwas für Kunden eines Gastronomie- oder Beherbergungsbetriebs reserviert ist, »only for patrons«. Ob aber alle nicht-englischsprachige Leute das Wort »patron« verstehen würden, bin ich mir nicht so sicher. Wie wär’s mit

  • »customer smoking area«
  • »smoking area for customers«
  • »we have a smoking area for customers«
  • »we have a smoking area for our customers«

Hier gibt es eine kommunikative und eine sprachliche Falle und die Darstellung tappt in beide. Die kommunikative Falle besteht darin, dass man sich gar nicht überlegt hat, an wen sich die Information richtet. Wir sind hier auf der »Airside« eines internationalen Flughafens. Hier sind ziemlich sicher jene Leute, die nur Deutsch verstehen, in der Minderheit, während man mit vielen Passanten rechnen müsste, die nur englische Mitteilungen verstehen. Folglich sollte bei allen Hinweisen Englisch Priorität haben; auf Deutsch könnte man eigentlich komplett verzichten.

Und die sprachliche Falle? Wie so oft: der Glaube, das eine wörtliche Übersetzung richtig sein könnte. Zusätzlich: der Einsatz eines aus einem Verb gebildeten Hauptworts. Im Deutschen kann man ja immer spontan aus einem Verb ein Hauptwort machen, das gerade bei solchen Hinweisen und Anweisungen die angemessenste Form ist. Im Englischen hingegen kann man erstens dieses Manöver nicht mit jedem Verb vollziehen und zweitens dreht sich so ein Hinweistext fast immer um ein Verb — als Verb. Wollte man also die »Konsumation« nach wie vor explizit benennen, müsste man etwas wie »if you come in to eat or drink, you can smoke here« sagen. Vielleicht würde man es mündlich auch so ähnlich ausdrücken. Aber da »customer smoking area« genau den richtigen Inhalt sehr elegant und knapp ausdrückt, kann man einmal auch im Englischen auf ein Verb verzichten.

Wieviel würde eine brauchbare Formulierung kosten? €10? €20?

So ginge das: Symbole von AIGA, Schrift Helvetica Neue Bold. Aufwand: 10 Minuten (inklusive Recherche, um draufzukommen, dass es die AIGA-Symbole gibt).

*Freilich weiss ich, warum: man war wohl dabei, eine Verordnung zu schreiben, und wollte Symbole haben, die dieser zugeordnet werden können und nicht etwa mit bloß aus dem Hausrecht heraus gemachten Rauchverboten zu verwechseln sind. Immer wieder scheint leider zu gelten: juristisch sauber, im Sinne der Benutzbarkeit ein Blödsinn.

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