City & Town

Heute gelesen, als Schlagzeile in einer Lokalzeitung: “Rad-Chaos in der City”, was uns wieder ein schönes Beispiel von Austro-Englisch liefert: “City” bedeutet hier nichts anderes als die Innenstadt, und zwar ziemlich eng verstanden – in Graz, maximal das Gebiet zwischen Mur und Glacis, fast eher nur der Teil, der innerhalb der alten Stadtmauern liegt. Diese Bedeutung hat “City” im Englischen generell nicht; mir ist nur ein Beispiel bekannt, wo es etwas ähnliches bedeutet, und zwar in London dient “City” als Begriff für den Finanzplatz, der in der City of London konzentriert ist, die ihren Status als selbst regierende Stadt seit der Römerzeit behalten hat. Sonst bedeutet im Englischen “city” einfach “Stadt”, und für eine Innenstadt muss ich spezifischer werden und “inner city”, “city centre” oder, falls viel alte Bausubstanz erhalten ist, “old town” dazu sagen. Oft sind aber ein “old town” und ein modernes Stadtzentrum zwei verschiedene Viertel.

Exkurs: die City of London ist viel weniger stark in die moderne Stadtverwaltung eingegliedert als die übrigen Bezirke, die Boroughs (die City of Westminster ist offenbar trotz ihres Titels verwaltungstechnisch ein ziemlich normaler Borough). Das Wahlrecht zu ihrer Regierung, ganz anders als bei allen anderen Gebietskörperschaften, bevorzugt massiv die dort ansässigen Firmen (die, könnte man sagen, die “Tagsüber”-Bevölkerung von ca. 450.000 Menschen vertritt) vor der Wohnbevölkerung, die nur noch ca. 10.000 Menschen zählt. Daher ist die City auch für den Großteil der Londoner Bevölkerung viel weniger das gefühlte Zentrum ihrer Stadt, als man vielleicht vermuten würde; London hat in Wirklichkeit viele Zentren.

Wir machen es aber sonst nicht leicht, unsere Verwendung der Begriffe “city” und “town” zu durchschauen. Wieder einmal haben wir ein Wort lateinischer Abstammung und ein zweites aus dem Angelsächsischen hergenommen, und verwenden sie für verwandte, aber doch verschiedene Dinge. Hier eine kleine Erklärung, soweit mir spontan eine einfällt:
Zunächst einmal ist wichtig, dass eine “city” im Englischen eine ordentliche Größe hat. Einiges, was im deutschsprachigen Raum den rechtlichen Status einer “Stadt” hat, geht im normalen englischen Sprachgebrauch nie als “city” durch. Für mich würde die gefühlte Untergrenze einer City wohl ungefähr bei 150.000 BewohnerInnen liegen. Alles, was für ein Dorf zu groß, aber für eine “city” zu klein ist, ist ein “town”.

Für die Etymologie-Freaks, stammt “city” freilich (evtl. über das französische “Cité”) vom lateinischen “civitas”, während “town” als tūn im Altenglischen und zūn im Althochdeutschen vorkommt, also mit Zaun im Deutschen und dún im Gälischen verwandt ist. So sagt’s jedenfalls mein Shorter Oxford English Dictionary (3rd Edition)

Dann verwirren wir, indem wir aber “town” in einem anderen Sinne auch verwenden, und zwar um anzugeben, wo jemand oder etwas sich befindet; das tun wir unabhängig davon, ob es sich sonst um ein “town” oder eine “city” handelt. Auch in einer Großstadt sagen wir “I’m going into town” wenn wir ins Zentrum fahren. “In town” ist kontextabhängig, weil es sowohl Nähe (z.B. “Joe is in town this week, we could call him and meet up tomorrow”) als auch Abwesenheit erklären kann (z.B. “Laura’s in town just now, but she should be back around 3″).
Die volle Resonanz von “out of town” kann am besten in einem Bild erklärt werden.

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