»Fragen Sie Swetlana Michajlowna«


Leben ist Übersetzen
im Ammann-Verlag
www.ammann.ch

Swetlana Geier ist literarische Übersetzerin: neben einer fast vollständigen Bearbeitung der Werke Dostojewskijs hat sie auch moderne Autoren wie Solschenizyn und Sinjawskij übersetzt. Lerke von Saalfeld hat aus einer Reihe von Gesprächen mit ihr ein Buch gemacht, das ich hochinteressant finde, obwohl ich (noch) keine russische Literatur gelesen habe.
Auf Seite 126 sagt Fr. Geier etwas, das nicht nur für literarische ÜbersetzerInnen, sondern für uns alle gilt: »Man muß als Übersetzer mehr wissen, als der Autor weiß. … Ich habe sehr oft erlebt, daß Sinjawskij auf eine Frage nach einem Detail geantwortet hat: »Fragen Sie Swetlana Michajlowna«, weil ich in solchen Dingen besser Bescheid wusste als er selber.«
Ein Autor bzw. Autorin muss im Grunde genommen nur schreiben, was ihm bzw. ihr in den Sinn kommt. Die Übersetzerin oder der Übersetzer muss aber eruieren, was gemeint war: muss sich also nicht nur eine Interpretation von einem Satz einfallen lassen, sondern mehrere, um diese gegeneinander abwägen zu können. Und dazu muss man sich von der Sache ein gutes Bild machen. Das gilt gleichermassen für literarische oder technische Übersetzungen.
Besserwissertum mag zwar eine Berufskrankheit der ÜbersetzerInnen sein. Aber »es besser zu wissen« gehört ja auch zum Kern der Übersetzungstätigkeit.
Buchempfehlung: »Swetlana Geier – Leben ist Übersetzen / Gespräche mit Lerke von Saalfeld«; Amman Verlag & Co., Zürich. bei Amazon.de>>

Nachtrag März 2011:
Swetlana Geier ist im November 2010 verstorben.
Ein sehr sehenswerter Film über sie heisst »Die Frau mit den fünf Elefanten« (2009).

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